Kategorie: Repertoire

  • Like Birds On The Wire

    Like Birds On The Wire

    Das Auditorium ein Raum des Hörens und ein Übergang. Ein Transit von draußen nach drinnen, von „natürlichem“, urbanem Stadtraum zu „künstlichem“, streng determiniertem Nutzraum. Dieser Raum liegt an einer exponierten Stelle, an der Königsallee, und wird täglich von vielen regelmäßigen Pendlern, aber auch ausländischen Besuchern der Stadt frequentiert. Vorgabe der Stadt war unter anderem, dass dieser Raum nicht angsteinflößend oder irritierend sein darf, sondern im Gegenteil beruhigen und erfreuen soll.

    Das Konzept des Transits noch einmal aufnehmend, bedienen sich Dahlke/Stoya in der Musik Stimmen, die in der Natur vorkommen, und derer sich Komponisten aller Zeiten immer wieder bedient haben, nämlich der Vogelstimmen.
    Dahlke/Stoya sammelten verschiedenartigste Stimmen heimischer Vögel und bearbeiteten jede einzelne mit Hilfe moderner Studiotechnik, sodass das Resultat zwar immer noch an die spezifische Struktur der Vogelstimme erinnert – ein gutes Gefühl, etwas wieder zu erkennen, das uns vertraut ist – aber einen eigenständigen Sound erhält.
    Die Musiker sprechen bei ihrer Komposition deswegen auch von Modulen und nicht von Vogelstimmen. Diese Module sind das Ausgangsmaterial, welches das Erarbeiten von mannigfaltigen Variationen in z.B. Klangfarbe und Tonhöhe ermöglicht. Diese Variationen werden mit Hilfe mehrerer verschachtelter Zufallsgeneratoren angesteuert und im Raum bewegt, sodass ein immer wieder neues Klangbild entsteht.
    Dieser einzigartige Zusammenklang, der draußen und drinnen, aber auch heute und morgen verbindet, wird sich so nie exakt wiederholen. Eine sehr spezielle Komposition für die Ewigkeit, hör- und erfahrbar aber in jedem Augenblick.

    Im Auditorium sind 48 Lautsprecher in der Decke vom Eingang ausgehend über die ganze Rolltreppe installiert. Diese werden über einen Computer in einem „Spatial-Sound“-Verfahren angesteuert. Die Klänge können so zeitgesteuert frei im Raum bewegt werden.

    Alpendohle, Amsel, Bachstelze, Baumpieper, Bergfink, Beutelmeise, Birkenzeisig, Blaukehlchen, Blaumeise,
    Brachpieper, Blaukehlchen, Buchfink, Dohle, Dorngrasmücke, Drosselrohrsänger, Eichelhäher, Elster, Erlenzeisig, Feldlerche, Feldsperling, Gartenbaumläufer, Simpel, Goldammer, Grauammer, Grünling, Hänfling, Haubenlerche, Haubenmeise, Haussperling, Heidelerche, Kleiber, Kohlmeise, Mehlschwalbe, Misteldrossel, Nachtigall, Nebelkrähe, Pirol, Rabenkrähe, Rauchschwalbe, Rotdrossel, Rotkehlchen, Saatkrähe, Schwanzmeise, Schwarzkehlchen, Singdrossel, Star, Stiglitz, Tannenmeise, Uferschwalbe, Wasseramsel,
    Weidenmeise, Wiesenpieper, Zaunkönig.

  • Orfeo – Die Erde ist gewaltig schön

    Orfeo – Die Erde ist gewaltig schön

    Die Soundinstallation spielt mit der Situation, die sich auf einer Rolltreppe tatsächlich begibt: Eine_r ist vorne, eine_r hinten, eine_r fährt voraus, eine_r hinterher.
    Diese einfache Grundsituation wird hier mit dem Orpheus-Mythos verknüpft („Nein, ich drehe mich nicht um!“; „Ich darf mich nicht umdrehen!“): Kurze verfremdete Sequenzen aus der Monteverdi-Oper ertönen (Eurydikes Tod, Schlussepiphanie).
    Es ist der Mann, der verweigert, nach hinten zu blicken, sich nicht umzudrehen. Von den beiden weiblichen Stimmen kann angenommen werden, dass sie hinter dem Mann zurückbleiben, da kein Dialog stattfindet. Der Mann verkörpert den zielsicheren Weg in die Zukunft, hier auch: Fortschrittsgläubigkeit, Geschichtsvergessenheit und Moderne. Die beiden weiblichen Stimmen verleihen einfachen Botschaften poetische Stimmen, eine hellere blickt voraus, eine dunklere stimmt ihren warnenden Gesang an. Hier assoziiert eine weiche, Stimme Postwachstumsgesellschaft, lokale Produktion, kleinbäuerliche Landwirtschaft und gegenseitige Hilfe. Dort lässt die Stimme eines Säuglings den Zustand des Neuerwerbs von Sprache, des Neubeginns schlechthin imaginieren. Wie vom Wind herbeigetragen, klingen dazu stets wiederkehrend die Schlussakkorde der Monteverdi-Oper, die den von allen irdischen Leiden befreiten Orpheus zum Himmel begleiten.

  • TREPPE

    TREPPE

    Zufallsbestimmte Kompositionen haben in unterschiedlichsten Musikkulturen bis in die heutige Zeiteine lange Geschichte und dabei sehr viele unterschiedliche Verfahren und Ausprägungen.Man denke an die „Würfelspiele“ von Mozart oder die aleatorischen Werke von John Cage oderPierre Boulez aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die wesentliche Idee dieser Technikist die offene, nicht abgeschlossene Form, deren spielerische Verwirklichung ständig neue,zufällige Tonkombinationen generiert um so zu neuen ästhetischen Erfahrungen zu gelangen.Die Komposition „Treppe“ greift Gedanken dieser tonalen Klangtechnik auf. Als Ausgangspunktdienen Aufnahmen unterschiedlichster Variationen und Fragmente einer E-Dur Tonleiter, die alleauf einem Vibraphon eingespielt sind und über sieben mp3 Player im Labor der U-Bahn StationHeinrich Heine Allee projiziert werden.Im Lauf der Jahre, in denen wir uns mit dem Konzept dieser Arbeit im öffentlichen Raumbefassten, haben wir die grundlegenden Richtungen dieser Arbeit immer wieder überdacht undverändert. Ursprünglich hatten wir an ein Klangobjekt gedacht, dessen musikalische Parameter anden Strom der Passanten oder an die Frequenz der fahrenden Züge gekoppelt sind und übertechnische Sensorien von den jeweiligen Verkehrsströmen gesteuert wird; also Teil des (Verkehrs-)Systems sein sollte.Dieses Prinzip sollte auch Möglichkeiten der akustischen Orientierung (z.B. Zug fährt eine,Tonhöhe wird dichter oder leerer Bahnsteig, Tonhöhe sinkt) beinhalten. Als Inspiration dientendamals Tonaufnahmen, die ich 2008 auf Bahnhöfen in Tokyo gemacht hatte, auf denen es einakustisches Leitsystem für Passagiere gab, das zur Orientierung auf den Gleisen dient und einesehr eingängige und komplexe Melodik aufwies.In der Folge haben wir den kompositorischen Teil der Installation eigenständiger gedacht undweiterentwickelt. Die Idee, dass die Musik auch zur Orientierung dient oder mit demVerkehrsaufkommen technisch korrespondiert, haben wir zu Gunsten einer autonomen Rolle derMusik, die auch dem Raumkonzept vom Labor innewohnt, verändert. Die Musik soll nicht Zweckeerfüllen sondern erschaffen.Die Komposition „Treppe“ hat eine starke aleatorische Ebene, die mit der Idee des Laborkorrespondiert und, wie eingangs erwähnt, eine unendlich variable Anzahl von Tonkombinationenentfaltet. Die Bewegungen der Töne sind als akustische Kommunikation mit den Bewegungen derMenschen und ihrer Vielfalt in den öffentlichen Räumen der Station gedacht. Der Grundcharakterder Musik ist reduziert. Jeder Passant hört nur kurze Fragmente (bzw. variable Kombinationen ausFragmenten ) der gesamten Komposition.Es gibt bei Passanten individuelle Bewegungen in verschiedene Richtungen, gebündelte Gruppenin den Hauptverkehrszeiten, dynamische Verschiebungen, den scheinbaren Stillstand zum spätenAbend usw. ein sich annähern und wieder entfernen von Mitreisenden, Fahrplänen, Bahnsteigen,Zügen, Kunstobjekten. Diese vielfältigen Dynamiken, die jedoch fast ausschließlich das gleicheAnliegen der zielgerichteten Fortbewegung teilen.Die Wiedergabe der Musik erfolgt über mpg3 Player aus den Lautsprechern der beiden Objektevon Ralf Brög in den Raum „Labor“ gespielt. Dabei sind die Objekte nicht nur Abspielgerät sondernwerden zu Klangobjekten. Die mpg3 Player sind nicht miteinander synchronisiert, tragenunterschiedliche Information (Töne) wodurch sich die unzähligen, unvorhersehbarenKombinationen der Komposition spielerisch ereignen.Der Raumbezug der Musik zum Labor stellt sich auch über die bauliche Gestalt, die monochromenFarbvariationen der dort verwendeten Materialien sowie deren reflektierender Oberflächen her. Eswird an den Transferraum „Labor“ gedacht, der täglich von mehreren tausend Menschen belebtwird. Die übliche Zeit die Passanten zum durchqueren der beiden Auf- und Abgänge im Laborbenötigen, beträgt wenige Sekunden.Instrumentierung der Musik konzentriert sich auf Piano, Vibraphon und Synthesizer. Das Pianowird dem Objekt in Aufgang „Grün“, das Vibraphon dem zweiten Objekt „Flieder“, zugeordnet.Das Vibraphon ist von allen Instrumenten das, dessen Klangeigenschaft dem physikalischenSinuston am nächsten ist. Der Sinuston ist die Grundlage aller Töne und von ihm aus können alleweiteren Töne entfaltet werden. Die geringe Obertonstruktur des Vibraphons schafft einemetallische Klangfarbe, die im Gesamtensemble Labor aufgeht. Die Musik strebt dabei eineakustische Empfindsamkeit an, die von der Erschaffung lebendiger öffentlicher Räume erzählt.Das Klavier hat eine zum Vibraphon verwandte tonale Struktur. Die Saiten werden indirekt durcheinen Hammer angeschlagen. Der Nachklang kann bei beiden Instrumenten durch Fusspedaleverlängert werden.Alle Töne von „Treppe“ werden nur kurz angespielt und haben einen langen Ausklang. Die jeweilsunterschiedlichen Schwingungen entwickeln so, nach der kurzen Berührung durch die menschlicheHand, ein Eigenleben das sich der Kontrolle des Spielenden entzieht. Der Synthesizer erweitert dieKlangpalette von Vibraphon und Piano im Sinne der aufgeführten Spielregeln.

  • Resonanz 2.0

    Resonanz 2.0

    Resonanz 2.0 von Gudrun Gut

    Uraufführung der neuen Klangarbeit für den MODELLRAUM THEATER, U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee, (Zugang Heinrich-Heine Passage).

    12. Februar 2021 – 28. März 2021

    Für den Modellraum Theater im U-Bahnhof Heinrich-Allee hat Szene-Ikone Gudrun Gut eine atmosphärische Collage teils naturalistischer teils abstrakter Sounds komponiert.

    Die drei Kanal-Installation lässt uns drei subtil komponierte und durchaus verschiedene Klangwelten durchqueren, die sich in ihrer fließenden, sich ständig versetzenden Überlagerung fast unmerklich zu einer detailreichen, mal analog, mal digital anmutenden, dennoch kohärenten Klang-Landschaft verdichten.

    Vogelstimmen verschmelzen mit treibenden clubbigen Beats wie in besten Zeiten durchtanzter Raves unter freiem Himmel, wenn die Morgendämmerung am Horizont die wärmende Sonne ankündigt und der Hahn zum gemeinsamen Frühstück ruft.

    Metallisch kühle Rhythmen harmonieren mit den ratternd loopenden Rolltreppen, vermengen sich mit hypnotischen Sounds archaischer oder zukünftiger Kulturen und triggern unverhofft einen Moment der Zuversicht aufs schattige Gemüt.

    Es geht voran!