„Wenn sich an einem Frühlingsabend die Stimmen der Singvögel vor dem Eingang Königsallee mit den schwirrenden Klängen drinnen vereinen, bis diese dann die Regie übernehmen, so betritt man ein urbanes Szenario, was nicht „irgendwie“ ist, keine clevere Idee, sondern ein dreifaches, klingendes Porträt einer internationalen Kultur mit lokalen Wurzeln. Alle drei Spielstätten können übrigens bei Bedarf und Laune mit neuen Tönen gefüttert werden, die Geschichte geht weiter…“
Klänge der Stadt. Zu den ersten Kompositionen in Ralf Brögs Modellräumen, von Oliver Tepel
Klanginstallation von Daisuke Matsusaka + Miki Yui
Die Komposition ist eine speziell für den „ModellRaum Auditorium“ angepasste Version des Klangkunstwerks „Music Plants Music“, das für das Botanische Zentrum Shibuya in Japan während der ersten Zusammenarbeit der beiden Künstler entwickelt wurde.
Beide Musiker, haben in ihrer jeweiligen künstlerischen Recherche die Pflanzenwelt eingehend beobachtet und in ihre Kompositionen integriert. Miki Yuis Interesse gilt der Wechselwirkung zwischen Pflanzenwelt und Umwelt, die sie poetisch interpretiert und in der Struktur ihrer Musik widerspiegelt. Daisuke Matsuzaka’s Werk hingegen evoziert ein Gefühl der Verbindung zwischen Umwelt und Leben, indem es Musik aus den bioelektrischen Daten von Pflanzen erzeugt.
Die Komposition entstand mithilfe eines von Matsuzaka Daisuke entwickelten Programms, das bioelektrische Daten von Pflanzen in Echtzeit musikalisch interpretiert. Die Pflanzen liefern bioelektrische Daten, die sich durch Sonnenlicht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die Anwesenheit von Menschen verändern, was wiederum die Komposition des Stücks beeinflusst.
Miki Yui’s winzige „Klangsamen“ – in diesem Fall rein elektronische Klänge – wurden durch das Programm in eine lebendige Struktur gebracht, dadurch interagierten sie mit den unmittelbaren Umgebungsgeräuschen und verwandelten diese in einen lebendigen musikalischen Raum.
Diese Klangimpulse regen das Gehör des Zuhörers dazu an, die Geräusche anders wahrzunehmen.
Da sich eine lebende Pflanze leider nicht für die U-Bahn-Station eignet, handelt es sich bei dem Stück im Auditorium um eine Wiedergabe der Arbeit, die ursprünglich mit bioelektrischen Daten eines Mangobaums in Tokio durchgeführt wurde.
Dennoch ermöglicht es diese Arbeit den Zuhörern, durch das Erleben der Wechselwirkung der eingebrachten Klänge mit der vorgefundenen akustischen Umgebung, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ein Pflanze mit ihrer Umgebung interagiert.
Miki Yui geboren in 1971 in Tokyo, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Matsusaka Daisuke geboren in Hiroshima, lebt und arbeitet in Tokyo.
„through nature’s shiver“ Klangarbeit von Yonca Yildirim
Die Arbeit „through nature’s shiver“ für den „ModellRaum Theater“ entwickelt, lenkt die Aufmerksamkeit der Passanten nach „Außen“, indem die Künstlerin im Außenraum aufgenommene Field Recordings in das „Innen“ des Transitraums „Theater“ projiziert. Dadurch erzeugt sie ein Spannungsverhältnis zwischen Innen und Außen, Urbanem und Natur, Bewegung und Stille. Der entstehende Klangraum arbeitet an der Schwelle zwischen beiläufigem Hören und bewusstem Zuhören.
Durch die Auswahl und Platzierung der Klänge, durch Stille und Wiederholung, durch Rhythmus und die gezielte Modifizierung natürlicher Aufnahmen, wird inmitten der Bewegung und dem Tumult der Stadt, der subtile Versuch unternommen, die Aufmerksamkeit der Passanten zu greifen, deren Neugier zu wecken und den Hörenden durch ihr Zuhören für einen Moment in die akustische Stimulierung des Theaters einzubinden. Auf diese Art wird auf die Materialität der Klänge eingegangen und ein schrittweises Aufdecken klanglicher Verweise erzeugt.
In dieser Weise werden die Passanten eingeladen, Mitgestalter von Bedeutung zu werden und die Raumzeitlichkeit des realen Raums, die Entstehung eines imaginären Raums, die Materialität des Klangs und die eigene Wahrnehmung klanglicher Tiefe und Distanz, zu befragen.
„through nature’s shiver“ ist ein Angebot sich einen realen als auch imaginären Raum durch die Befragung seines Klangs anzunähern, durch Aufmerksamkeit statt durch seine Durchquerung, durch ein flüchtiges Hinhören inmitten erzwungener Bewegung.
Yonca Yildirim geboren 1993 in Ratingen. Lebt und arbeitet in Köln und Den Haag
„FOLDS (in tape fields)“: In Kooperation mit der Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute und der Kunsthalle Düsseldorf, als Teil der Ausstellungsreihe „Circulating Copies“
In FOLDS untersucht KMRU, wie urbane Infrastrukturen das Hören im öffentlichen Raum bedingen und strukturieren. Ausgehend von Hörspaziergängen, Umwegen und beiläufigen Aufnahmen nähert er sich Düsseldorf als einem auditiven Feld, in dem sich Routinen, Rhythmen und Erwartungen überlagern.
Die Arbeit entfaltet sich über verschiedene Orte und Lautsprechersysteme im Stadtraum. Klangmotive, Schleifen und Feldaufnahmen tauchen versetzt und wiederkehrend auf, ohne sich zu einem geschlossenen Ganzen zu fügen. Zeit wird gedehnt, unterbrochen oder zurückgeführt. Bedeutung entsteht im Vorübergehen, im Verweilen oder auch im Überhören. Statt einer festen Kartografie eröffnet die Arbeit eine offene, vielschichtige Form der Wahrnehmung.
KMRU nutzt Field Recordings, Ambient Sound und experimentelle Techniken, um Hörkulturen jenseits vorherrschender Wahrnehmungsnormen zu erforschen.
Weitere Orte in Düsseldorf: Filmwerkstatt Düsseldorf, Salon des Amateurs, UFA-Palast, Café Velvet, Callshop Radio.
KMRU KMRU (Joseph Kamaru) geboren 1997 in Nairobi, Kenia, lebt und arbeitet in Berlin.
Kunstkommission Düsseldorf und Ralf Brög Studios präsentieren neue Klang-Kunst im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee Auf Sherpards Tonleiter: „Treppauf, Treppab – Situated Now, Donna Haraway“ von Komponist Marcus Schmickler
Kunstkommission Düsseldorf und Ralf Brög Studios präsentieren Leif Inges 24 Stunden Version von Beethovens 9. Symphonie im Auditorium, U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee & in der Kunsthalle Düsseldorf.
Ralf Brög Studios/Showrooms Ultd präsentieren anlässlich des Photo + Festivals eine neue temporäre Klangkunst-Installation im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee.
Drei Modellräume (Auditorium, Labor, Theater). U-Bahnhof, Neue Wehrhahn-Linie, Heinrich-Heine-Allee, Düsseldorf.
Drei Sound-Korridore zur künstlerischen Erforschung von Klang als skulpturalem Material imöffentlichen Raum.
Ralf Brög hat die neuen Zugänge des U-Bahnhofes sowohl visuell als auch akustisch für wechselnde Klang- und Soundbeiträge gestaltet und programmiert die drei Klangräume (Auditorium, Labor, Theater) im Sinne eines work in progress. Es handelt sich um ein langelegtes Forschungsprojekt zum Thema- Sound/Klang/Ton/Sprache als skulpturales Material im öffentlichen Raum- Aufbau eines orts-spezifschen, dauerhaft abrufbaren Repertoires (Digitales Archiv)- Nutzung der Spezifk der Räume (öffentlicher Raum)- Klang als architektonisch wirksames Material- Öffentlicher Raum als Aufführungsort von Klangkunst.
Temporäre Veranstaltungen Neben speziell für das Repertoire der drei Modellräume neu entwickelten komplexenKlangarbeiten sollen temporäre Aufführungen, Konzerte, Events stattfnden, um potentielleAuftragskompositionen zu erproben, das Potential der Situation breiter ausschöpfen zu können,neue Formen der Aufführung einzuführen, experimentellere Aspekte aufzuführen oder parallelstattfndende Ereignisse in der Stadt zu begleiten/kommentieren/ergänzen.
Wesentlich sind: – Klang als skulpturalem, architektonischem Material, dessen zeitliche Komponente, Plastizität,Austauschbarkeit. – die kooperative und interdisziplinäre Entwicklung der jeweiligen Neu-Kompositionen bzw desRepertoires.
Ein Profl, Stil oder übergreifendes Thema, das Beziehungen und Rückkopplungen der einzelnenWerke erkennen lässt, bildet sich über die Jahre und in Folge der sorgfältig initiiertenKompositionen und Aufführungen, die sich letztlich zu einem Repertoire der Drei Modellräumeentwickeln werden. Das Repertoire wird dauerhaft in einem digitalen Archiv präsent sein, sodassKompositionen für Wiederaufführungen jederzeit abrufbar sind.
Kuratorische Parameter – Orts-spezifsche Konzeption und Produktion. – Explizite Nutzung der räumlichen/situativen Besonderheiten der Umgebung als kompositorisch/ konzeptuell wirksame Komponenten. – Explizite Nutzung der Drei Modellräume als Raum für Klangkunst – Explizite Nutzung der Drei Modellräume als Umfeld für interdiszipkinäre/kooperative künstlerische Produktionen – Analyse und experimentelle Erforschung des Potentials der besonderen Situation sowie der allgemeinen Relevanz und Übertragbarkeit, u.a. bezüglich: Publikum, Bewegung, Diversität des Publikums, Zeitlichkeit, Dauer/Verweildauer, dramaturgischen Strategien, Kompositionsstrategien, Präsentationsformaten, öffentlicher Räume, Wirksamkeit, Aufmerksamkeit
Kontext/Context
DAS PROJEKT WEHRHAHN-LINIE, NETZWERKARCHITEKTEN
Selten wurde der Abschluss eines großen und anspruchsvollen innerstädtischen Bauprojektes mit einer solch ungeteilten Begeisterung begrüßt, wie die Eröffnung der Wehrhahn-Linie am 20. Februar 2016. Eine neue 3,4 Kilometer lange Tunnelstrecke mit sechs Bahnhöfen unterhalb der Düsseldorfer Innenstadt ist an diesem Tag für den Öffentlichen Nahverkehr zwischen den Stationen Bilk und Wehrhahn freigegeben worden. Tausende Düsseldorfer kamen und flanierten durch die neuen unterirdischen Räume und Verbindungen wie bei einer Vernissage mit U-Bahn-Anschluss. Die nationale und internationale Fachpresse war beeindruckt: „Düsseldorf gelingt ein einmaliges Raumexperiment: Kunst und Architektur als Taktgeber urbaner und suburbaner Mobilität.“ (Süddeutsche Zeitung); „Was die Ausgestaltung der Wehrhahn-Linie neu, wagemutig und womöglich wegweisend macht, ist ein ganzheitlicher Ansatz. Die Kunst wurde hier nicht nachgerüstet oder appliziert, sondern vom ersten Planungsschritt an einbezogen“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung); „The new metro represents a rare moment when people who never usually interact – city bureaucrats, engineers, architects and artists – create something bigger than themselves“ (The Guardian); „Art and magic in a German metro“ (The New York Times).
Diese Gemeinschaftsleistung von Architekten, Ingenieuren, Künstlern und der städtischen Verwaltung ist das Ergebnis einer insgesamt fünfzehnjährigen Planungs- und Bauzeit in Düsseldorf. Ausgangspunkt war ein im Jahr 2001 ausgeschriebener zweistufiger EU-weiter Wettbewerb für ein Gesamtkonzept, den die netzwerkarchitekten aus Darmstadt in Zusammenarbeit mit der in Berlin lebenden Künstlerin Heike Klussmann gewonnen haben. Fachlich beraten wurde das Team im Wettbewerb von Dr. Alexander Hentschel (Tragwerksplanung) und Andrew Holmes (Lichtplanung).Entscheidend für das Votum der Jury war seinerzeit, dass der Wettbewerbsbeitrag zugleich die Einheitlichkeit der Linie wie auch die Unterschiedlichkeit der einzelnen Stationen ins Auge fasste bzw. genau diese Ambivalenz in der Aufgabenstellung der Gestaltung einer U-Bahn-Linie konzeptionell kraftvoll und nachvollziehbar beantwortete.Zwei konzeptuelle Begriffe sind hierbei zentral: Kontinuum und Schnitträume.Das Kontinuum umfasst das gesamte Tunnelbauwerk mitsamt der Stationsräume entlang der Gleisstrecke, die zunächst als ‚Aufweitungen‘ des Tunnelbauwerks verstanden werden. Die in allen Stationen einheitliche Auskleidung mit einem Relief aus Betonfertigteilen übersetzt den Raumbegriff des Kontinuums in ein wiedererkennbares, verbindendes Strukturbild.
Die Schnitträume dagegen verbinden den jeweiligen Stationsraum mit dem Stadtraum an der Oberfläche. Es sind dies die Zugangsräume, die Treppen, Fahrtreppen, Aufzüge und Verteilerebenen aufnehmen. Schon im Wettbewerbsbeitrag wurde hier das Ziel verfolgt, Perspektiven zu öffnen, unmittelbare Bezüge zwischen Stationsraum und Stadtraum zu erzeugen, wo immer möglich Tageslicht bis in den Stationsraum zu bringen und mithin wesentliche Voraussetzungen für Übersicht, Orientierung und Sicherheitsempfinden zu schaffen bzw. dem Empfinden räumlicher Enge entgegenzuwirken. In Abhängigkeit von den baulichen Dispositionen des oberirdischen Stadtraums einerseits und des unterirdischen Stationsraums andererseits, sind diese verbindenden und erschließenden Schnitträume schon in geometrischer Sicht höchst unterschiedlich. Gerade auch deshalb wurden diese Schnitträume als Orte der stationsspezifischen künstlerischen Intervention bestimmt.
Im Preisgerichtsprotokoll heißt es hierzu: „Seit der Erfindung der U-Bahn sind zu diesem Thema keine neuen architektonischen sowie künstlerischen Lösungen entwickelt worden, außer Ausstattungsversuchen, die jeweils dem Zeitgeist entsprachen. Die netzwerkarchitekten mit der Künstlerin Heike Klussmann und Uwe Belzner haben mit großer Sicherheit die Lösung für das Problem der Gestaltung von U-Bahnhöfen neu erfunden. […] Dieses Projekt ist eine durchgehende hervorragende Arbeit, die über die Fragen von Ausstattung und Design hinausgeht, sich dem Zeitgeist entzieht und somit über lange Zeit seine Gültigkeit hat.“
Ausgangs des Wettbewerbsverfahrens waren somit die Weichen gestellt, die Wehrhahnlinie fortan nicht als Addition einzelner, von verschiedenen Teams aus Architekten und Künstlern gestalteter Stationen zu entwickeln, sondern stattdessen weitere Künstler bei der Gestaltung der Stationen im Rahmen der einheitlichen, linienübergreifenden Konzeption des Siegerentwurfs einzubinden:Für einen anschließenden Kunstwettbewerb lieferten Vertreter der Düsseldorfer Kulturinstitute wie Kunsthalle, Kunstverein, Museum Kunstpalast sowie das Kulturamt eine Künstlerliste. Die Jury, der neben Vertretern des Kulturamtes und des Amtes für Verkehrsmanagement auch Vertreter der Kulturinstitute und Architekten, unter anderem des Büros netzwerkarchitekten angehörten, lud zunächst 16 Teilnehmer zu einem eingeladenen Verfahren ein: In diesem ging es zunächst darum, in einem ersten Bearbeitungsschritt eine Grundkonzeption zu formulieren, die dann in einem zweiten Bearbeitungsschritt mit Bezug auf bestimmte Schnitträume und in Abstimmung mit den Architekten situationsbezogen vertieft wurde. Ziel war, neben Heike Klussmann fünf weitere Künstler auszuwählen, die fortan in integrativer Zusammenarbeit mit den Architekten jeweils spezifische Gestaltungen der Schnitträume entwickeln sollten. Die Jury entschied sich für Enne Haehnle (Kirchplatz), Manuel Franke (Graf-Adolf-Platz), Thomas Stricker (Benrather Straße), Ralf Brög (Heinrich-Heine-Allee) und Ursula Damm (Schadowstraße). Der Schnittraum Station Pempelforter Straße wurde von Heike Klussmann bearbeitet, die dort eine schon im Architekturwettbewerb vorgestellte Raumkonzeption weiterentwickelte.
Auch die künstlerische Weiterentwicklung der schon im Architekturwettbewerb vorgestellten Konzeption des Kontinuums oblag Heike Klussmann. In dieser Aufgabenstellung wie auch in ihrem Bearbeitungsweg bis hin zur realisierten Lösung manifestiert sich beispielhaft der grundlegende und einzigartige Gedanke des Projektes der Wehrhahnlinie – nämlich Stadtraum, Ingenieurbauwerk, Architektur und Kunst integrativ und dialogisch zu entwickeln: Bereits die Idee einer Wandbekleidung aus Betonfertigteilen entspringt der thematischen Übersetzung der aus Stahlbetonfertigteilen (Tübbingen) bestehenden Tunnelröhre. Die Struktur der Bekleidung aus teilweise gestreckten und gestauchten Rauten erinnert an eine Schlangenhaut und greift somit den langen, gewundenen Tunnelraum assoziativ auf. Zugleich entspricht die mit der Zeichnung in eins gehende Elementierung der Bekleidung in handhabbare Bauteilformate dem Anspruch der Revisionierbarkeit der bekleideten Fläche, die eine Kernanforderung im U-Bahn-Bau darstellt. Technische Anforderungen wie die Resistenz gegen Brand und Vandalismus galt es, sicherzustellen. Die Fügung der einzelnen Elemente untereinander oder zu angrenzenden Flächen musste ebenso geklärt werden, wie die wirtschaftliche Herstellbarkeit der Vielzahl unterschiedlicher Formate. Kunst ist hier nicht auf dem Bauwerk applizierte Schicht, sondern ist selbst integrativer Teil des Bauwerkes, das heißt auch Bauteil im Rahmen der ausgeschriebenen Bauleistungen des architektonischen Ausbaus. Entsprechend stetig und intensiv war die Kooperation zwischen Ingenieuren, Architekten und Künstlerin im Prozess der Planung und Realisierung der Konzeption.
Geometrien der sechs Stationen, Photo netzwerkarchitektenGeometrien der sechs Stationen, Photo netzwerkarchitekten
Dies gilt dem Wesen nach für alle künstlerischen Interventionen in den Schnitträumen auch: Sie greifen und wirken in die gebauten Räume hinein und instrumentalisieren architektonischen Raum und konstruktive Bauteile unmittelbar für die Umsetzung der künstlerischen Konzeption. Somit nehmen die Interventionen den Schnittraum jeweils gänzlich in Anspruch – sie sind nicht darin eingerichtet, sondern prägen ihn ganzheitlich. Sie verschmelzen insoweit mit dem architektonischen Raum. Es entstehen im Übergang von oberirdischem Stadtraum zum unterirdischen Stationsraum jeweils wiedererkennbare Transiträume sehr unterschiedlicher und eigenständiger Identität – aufgrund der unterschiedlichen Kontexte, der unterschiedlichen Raumgeometrien, vor allem aber aufgrund der unterschiedlichen künstlerischen Konzeptionen:Ralf Brög hat an der Station Heinrich-Heine-Allee drei Aufführungsorte für wechselnde Klang- und Soundbeiträge gestaltet – als Theater, als Labor und als Auditorium. Ursula Damm entwickelte für die Station Schadowstraße eine mehrteilige interaktive Installation. Manuel Franke hat an der Station Graf-Adolf-Platz durch Hunderte von leuchtend grünen Glastafeln einen begehbaren Farbraum geschaffen, der aufgebrochen wird durch einen mitreißenden Linienstrom. Enne Haehnle schrieb für ihre Station Kirchplatz poetische Texte, die sie skulptural umgesetzt hat. Heike Klussmann lässt ausgehend von den Zugängen weiße Bänder über die Wände, die Decken und den Boden der Station laufen und an der Geometrie der Architektur brechen und abwickeln. Thomas Stricker holt an der Station Benrather Straße durch die konzeptionelle Umkehrung des die Architektur umgebenden Raumes das Universum mit seinen Planeten und Sternen, seiner Ruhe und Schwerelosigkeit in die Unterwelt des U-Bahnhofs.
Alle Arbeiten eint das Bewusstsein, auf mobile Menschen in ihren alltäglichen Wegen gerichtet zu sein, nicht auf Kunstsuchende in Ausstellungsräumen. Dennoch bewirkt das Erleben umfassend und ganzheitlich gestalteter Räume das Empfinden von Entschleunigung und Ruhe. Auch die Abwesenheit von Werbung trägt hierzu bei – in den neuen U-Bahnhöfen gibt es keine Plakate, keine Reklamefenster, keine Kommerzflächen. Architektur und Kunst können sich untrennbar miteinander verbinden, aufeinander eingehen, sich befruchten, sich gegenseitig heben und den Raumeindruck gemeinschaftlich prägen.
Der Klang-Korridor „Auditorium“ ist direkter Zugang/Ausgang zur Königsallee (Corneliusplatz, Kreuzung Königsallee/Schadowstraße) und angrenzenden neuen Rheinbogen, Schadowplatz, Schadowstraße, Schauspielhaus, … . Er ist der längste der drei Klang-Korridore und überwindet die meisten „Höhenmeter“, da er als direkter Zugang zu den Plattformen der Wehrhahn-Linien unter das Niveau der Plattformen der Rheinbahn-Linien führt.
MATERIALIEN/SOUNDTECHNIK
Oberfläche Wände: Dreidimensional, prismatisch ausgebildete Emaille-Kassetten, die durch die Diversität der Reflektionswinkel des Schalls die Klangqualität des Raums optimieren.
Klangtechnik: 48-Kanal-Soundsystem über die gesamte Länge des Zugangs hinter den perforierten Deckenpaneelen platziert. 48 Lautsprecher können individuell über eine Soundspur angesteuert werden oder zu beliebigen Gruppen gebündelt werden, also z.B. als Stereo-System angesteuert werden (24/24). Außerdem existiert die Möglichkeit eine installierte Spatial Sound Software einzubinden, die es erlaubt Klänge im Raum zu bewegen.
Gesamtlänge des Zugangs ca. 50 Meter. Unterteilt in Zwischenebene (ca. 20 Meter) und Rolltreppen (3 parallele Rolltreppen, ca. 30 Meter).
Labor
Der Klangkorridor „Labor“ ist komplett unterirdisch und dient dem Transit zwischen den Plattformen der älteren Rheinbahn-Linien und denen der neueren Wehrhahn-Linien.
MATERIALIEN/SOUNDTECHNIK
Wand/Interferenz-Atlas keramischer Siebdruck auf Keramikplatten
Wand/Membran (vis à vis Interferenz-Atlas) Bombierte Emaille-Elemente
2 jeweils über der (Roll-)Treppenanlage abgehängte aus pulverbeschichtetem Lochblech gefertigte Sound-Objekte mit integriertem 7-Kanal-Hornlautsprecher-Soundsystem (+ hinter perforierten Deckenpanelen verborgenen Subwoofern).
Hornlautsprecher + Tieftöner sind wahlweise einzeln oder als kombiniertes Mehrweg-System ansteuerbar.
Zwei skulpturale Soundobjekte von der Decke über den (Roll-) Treppen abgehängt. Jeweils 7-Kanal Soundsystem, Hornlautsprecher (Mittel-Hochton). Jedes Horn ist einzeln ansteuerbar. Zusätzlich je ein Tiefton-Lautsprecher (Subwoofer) hinter Deckenpaneelen (unsichtbar). Raum komplett unterirdisch, (Plattformwechsel bei Umstieg der Linien). Zugang über Rolltreppe & Treppe
Auditorium
Der Klang-Korridor „Auditorium“ ist direkter Zugang/Ausgang zur Königsallee (Corneliusplatz, Kreuzung Königsallee/Schadowstraße) und angrenzenden neuen Rheinbogen, Schadowplatz, Schadowstraße, Schauspielhaus, … . Er ist der längste der drei Klang-Korridore und überwindet die meisten „Höhenmeter“, da er als direkter Zugang zu den Plattformen der Wehrhahn-Linien unter das Niveau der Plattformen der Rheinbahn-Linien führt.
MATERIALIEN/SOUNDTECHNIK
Oberfläche Wände: Dreidimensional, prismatisch ausgebildete Emaille-Kassetten, die durch die Diversität der Reflektionswinkel des Schalls die Klangqualität des Raums optimieren.
Klangtechnik: 48-Kanal-Soundsystem über die gesamte Länge des Zugangs hinter den perforierten Deckenpaneelen platziert. 48 Lautsprecher können individuell über eine Soundspur angesteuert werden oder zu beliebigen Gruppen gebündelt werden, also z.B. als Stereo-System angesteuert werden (24/24). Außerdem existiert die Möglichkeit eine installierte Spatial Sound Software einzubinden, die es erlaubt Klänge im Raum zu bewegen.
Gesamtlänge des Zugangs ca. 50 Meter. Unterteilt in Zwischenebene (ca. 20 Meter) und Rolltreppen (3 parallele Rolltreppen, ca. 30 Meter).
„Ralf Brögs Serie eigener Arbeiten und Zusammenarbeiten zur künstlerischen Belebung der an der Wehrhahn-Linie gelegenen Station Heinrich-Heine-Allee spielt ein weit raffinierteres Spiel als viele andere Auftragswerke, die für den öffentlichen Nahverkehr entstehen, erscheinen diese doch allzu oft lediglich zur Bereitstellung einer unterkomplexen visuellen Botschaft bestimmt – wobei ihre eine und einzige Aufgabe darin besteht, der betreffenden Station Wiedererkennbarkeit zu verleihen, als zeichenhafter Verweis auf eine Idee, nur einen Schritt vom Charakter eines Verkehrszeichens entfernt. … so kann man Brögs Werk als Versuch betrachten, die Reichhaltigkeit und kontrastierenden Erlebnisweisen der Stadt zu reflektieren.“
Dissonanzen an der Schwelle. Zu den Drei Modellräumen von Ralf Brög von Rob Wilson, Wehrhahn-Linie, Kerber Verlag
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